Begrüßung und Einstieg
Besser gründen, der Podcast von fürgründer.de. Thema diese Woche: Falsche Beratung kostet nicht nur Geld, sondern auch die Zukunft – die wichtigsten Fragen bei der Auswahl der richtigen Beratung mit Bankberater Markus Hübner. Und hier ist euer Host und Chefredakteur von fürgründer.de, René Klein.
René: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge hier im Podcast-Kanal von fürgründer.de. Es gibt unglaublich viele Gründer-Coaches beziehungsweise Unternehmensberater, und es lohnt sich in jedem Fall, Unterstützung bei der eigenen Gründung zu haben – denn ein Haus bauen wir ja auch nicht allein. Gleichzeitig wissen wir alle: Es gibt gute und schlechte Architekten, Handwerker, Werkstätten und sogar Ärzte. Und wenn es beispielsweise um den Kredit bei der Bank geht, habe ich auch nicht beliebig viele Versuche. Deshalb lautet die Frage: Wie finde ich den richtigen Berater, die richtige Beraterin, und wie vermeide ich typische Beratungsfehler bei der Finanzierung meiner Gründung? Über die Auswahl des passenden Beraters, die wichtigen Fragen und Warnhinweise, mit denen ich schlechte Berater erkennen kann, spreche ich heute mit Markus Hübner. Markus war schon häufiger bei uns im Podcast und hat uns viel Einblick gegeben in Themen wie: Wie schreibe ich einen Businessplan? Worauf ist beim Finanzplan zu achten? Und auch das Bankgespräch haben wir schon thematisiert. Insofern freue ich mich, Markus, dass du wieder bei uns bist.
Markus: Ja, hallo René. Auch ich freue mich sehr, dass ich heute mit dir über dieses sehr, sehr wichtige Thema sprechen kann. Ich bin nun einige Jahre selbstständig als Unternehmensberater, und du kannst dir vorstellen, dass ich schon viele Sachen von anderen Beratern in die Hände bekommen habe, bei denen ich mich dann doch frage: Wie viele Gründungen sind vermutlich gar nicht erfolgt, weil einfach keine gute Beratung stattgefunden hat? Daher ist dieses Thema für mich eine Herzensangelegenheit, ich freue mich drauf.
René: Ja, das können wir, glaube ich, noch mal festhalten: Gerade bei der Gründung und auch dem Unternehmensaufbau kostet falsche Beratung eben nicht nur Geld, sondern im Zweifel auch die eigene Zukunft.
Woran man beim Blick in die Unterlagen erkennt, ob gut beraten wurde
René: Deshalb, Markus, du bist ja als Berater unterwegs und unterstützt Gründer und Gründerinnen bei ihren Gesprächen mit der Bank. Und zu dir kommen auch Gründerinnen und Gründer, die vorher schon einen anderen Berater hatten. Vielleicht kannst du mal aus deiner Praxis berichten, mit welchen Themen die Kunden dann ankommen, beziehungsweise die, die sich für deine Dienstleistung interessieren und auf dich zukommen. Was haben die erlebt, was ist da so typisch?
Markus: Der Klassiker ist natürlich: Der Kunde ruft an und ist bei der Bank abgeblitzt. Das Vorhaben, sei es nun die Gründung oder der Unternehmensaufbau, kann einfach nicht klappen, weil die Bank Nein gesagt hat. Man ist enttäuscht, aber zum Glück nicht entmutigt, und kommt dann über welche Wege auch immer zu mir. Da ist natürlich immer die Frage: Wer hat jetzt Schuld? Das Wort wird sehr häufig benutzt – die Bank oder der Kunde. Das ist natürlich einfach zu sagen, dass immer die Fremden schuld haben. Dazu kann ich erst mal nichts sagen, ich muss mir ja erst mal anhören: Um was geht es überhaupt, wie viel Geld wurde beantragt, in welcher Größenordnung bewegt sich das? Daher biete ich auch jedem an, mir ganz unverbindlich seine Unterlagen zu schicken, die bei der Bank eingereicht wurden. Und da brauche ich nicht lange, um zu erkennen, ob die Unterlagen eine gewisse Güte haben, beziehungsweise wie viel Fremdkapital beantragt worden ist – anhand dieses einen Parameters kann man schon eine Menge ableiten, warum eine Bank vielleicht Nein gesagt hat.
René: Da würde ich gerne noch mal kurz einsteigen: dieses Thema, wer jetzt Schuld hat – der Berater oder die Bank? Klar, die Bank sagt Nein, und schnell kann ich das dann eigentlich auch auf die Bank schieben. Du hast aber gerade gesagt, beim Blick in die Unterlagen siehst du schon häufig schnell, ob gut oder schlecht beraten wurde. Worauf schaust du da ganz besonders?
Markus: Nun, man muss sich eigentlich nicht viel anschauen, um sich einen wirklich schnellen Überblick zu verschaffen. Für mich reicht, wie eben gesagt, die Höhe des Kapitalbedarfs aus, um zu erkennen, ob da überhaupt wirklich eine Beratung stattgefunden hat. Beratung heißt ja nicht Erstellung. Beratung heißt nicht, das vom Auftraggeber unreflektiert zu übernehmen, nach dem Motto: Ich möchte mich selbstständig machen, ich brauche 150.000 Euro, und der Berater sagt, juhu, machen wir einen Businessplan und Finanzplan, das reicht bei meiner Bank ein, es gibt ja ganz viele Förderkredite. Man muss reflektieren: Passt dieser Kreditbetrag für diese Gründung, für dieses Vorhaben, unter den gegebenen Umständen – ganz gleich, in welcher Branche man tätig ist. Zu welchem Zeitpunkt gehe ich zu welcher Bank, beziehungsweise reiche ich welche Unterlagen ein? Das haben wir ja ausführlich in den anderen Podcasts besprochen. Wenn ich mir diese Parameter anschaue und da möchte sich jemand selbstständig machen – nehmen wir das Beispiel Online-Shop, das kann jeder nachvollziehen – und sagt, aufgrund gewisser Gegebenheiten brauche ich 150.000 Euro, dann sage ich: schwer finanzierbar. Ich will nicht sagen unmöglich, aber da müsste ich schon nachfragen, ob nicht vielleicht auch eine Nummer kleiner möglich wäre. Und dann kommt da eigentlich gar nicht so viel – dann sehe ich schon, dass der Kunde vermutlich mit dem Auftrag „gedroht“ hat und der Berater die Unterlagen einfach erstellt hat. Wir kommen ja noch drauf, was Beratung wirklich bedeutet. Dann ist es kein Wunder, wenn eine Bank sagt: Ja, könnte klappen, aber das Risiko ist uns zu hoch.
Das Erstgespräch: Woran erkennt man einen guten Berater?
René: Nehmen wir das Stichwort und diskutieren mal weiter: Wenn ich jetzt gründen möchte und mich auf die Suche nach einem Berater, einer Beraterin begebe, dann geht es ja meistens mit einem Erstgespräch und der Kontaktaufnahme los. Vielleicht können wir da mal einsteigen: Wie erkennt man da schon direkt am Anfang, ob das ein guter Berater, eine gute Beraterin ist?
Markus: Nun, ich würde sagen, in einem Erstgespräch, ob telefonisch oder persönlich, kann man ganz schnell erkennen, ob man einen Berater hat, der einen auch verstehen möchte. Denn ein Berater kann nur eine Ersteinschätzung treffen, wenn er genügend Informationen hat. Und das wäre zu wenig, wenn der Kunde nur sagt: Ich möchte einen Onlineshop eröffnen und brauche 150.000 Euro. Ein Berater muss also, ganz einfach ausgedrückt, erst mal seine Klappe halten und sich nicht präsentieren, wie toll er ist, sondern im Erstgespräch zuhören. Wenn das zum Beispiel eine halbe bis dreiviertel Stunde geht, hat der Berater Fragen zu stellen und erst mal zuzuhören. Es kann auch sein, dass der Kunde erst mal 20 Minuten spricht – je mehr Futter man bekommt, desto besser kann man eine Einschätzung treffen, statt gleich eine Lösung aus dem Ärmel zu schütteln. Es reicht ja nicht, nur zu wissen, in welcher Branche und in welcher Größenordnung sich jemand bewegt. Entscheidend ist doch: Kann man das überhaupt finanzieren? Das kann ich nur erörtern, wenn ich genügend Informationen habe. Der Berater sollte also zuhören können und dann konkrete Fragen zu dieser Situation stellen – und nicht schon zu Beginn versuchen, seine Dienstleistung zu verkaufen. Er muss nachdenken und dann eine Ersteinschätzung präsentieren, sodass ich als potenzieller Kunde eine Meinung von einem Experten bekomme. In der Regel wäre eine kritische Hinterfragung immer besser, als wenn er direkt sagt: Super Voraussetzungen, bin ganz doll von Ihnen überzeugt, das machen wir.
René: Also wichtiger Tipp fürs Erstgespräch: darauf achten, wie viele Fragen der Berater stellt, was er über mein Projekt erfahren möchte, um herauszufinden, wie er mich wirklich unterstützen kann.
Pauschalpreise als Warnsignal
René: Dieses Thema sehen wir auch häufig: Es gibt irgendwie so ein „Hier ist der Businessplan, und der kostet Summe X“. Da bekomme ich natürlich Magen-, vielleicht auch eher Kopfschmerzen, wenn ich sowas höre – „wir erstellen Ihnen den Businessplan für 2.000 Euro“. Allein wenn ich sowas lese oder höre – und ich lese es leider häufiger –, ist das eine absolute Katastrophe.
Markus: Wie kann denn ein Mensch, der sich noch gar nicht lange mit dieser Gründerperson beschäftigt hat, von vornherein wissen, wie viel Zeit er für dieses Vorhaben benötigt? Er möchte verkaufen, er hat natürlich ein Dienstleistungsportfolio und möchte gerne das machen, was er kann. Genauso wie beim Kieferchirurgen: Der wird auch nicht sagen, der Zahn richtet sich von allein, da müssen wir nichts machen – der will doch auch operieren. Aber genau wie ein Berater muss er das auch begründen können und kann nicht einfach seine Preisliste rausziehen. Also da sollte man aufpassen und lieber die Finger lassen von Beratern, die auf ihrer Website damit werben oder einfach Pauschalpreise präsentieren. Das ist nichts.
René: Das heißt also, darauf achten: Pauschalpreise für zum Beispiel einen Businessplan – ein No-Go bei guter Beratung.
Markus: Ja, ich würde sagen, zu diesem Zeitpunkt kann niemand schon eine gewisse Kredithöhe festlegen. Man sollte eher erörtern, dass im Laufe einer Beratung natürlich das Ziel sein wird, die richtige Kapitalsumme zu bestimmen, mit der man dieses Vorhaben betreiben kann. Das heißt, man kann vorher noch gar nicht wissen, wie viel oder wie wenig man benötigt.
Auf Augenhöhe kommunizieren – keine Angst vor Rückfragen
René: Jetzt hast du ja gesagt, der Kunde droht mit dem Auftrag, und der Berater möchte natürlich auch Geschäft machen. Wiederum sagt der Gründer, die Gründerin am Anfang: Ich brauche irgendwie 100.000 Euro, das sage ich auch dem Berater. Nun kann er aus Angst, den Auftrag zu verlieren, natürlich davon absehen zu widersprechen und sagt: Ja, okay, dann probieren wir die 100.000 Euro, das kriegen wir hin. Was würdest du dazu sagen?
Markus: Es muss natürlich gefragt werden, ob man auch mit kleineren Beträgen starten könnte. Klar, ich kann kein Café testweise nur zur Hälfte eröffnen, ohne Tisch und Stühle, ohne Espressomaschine, oder ein Fitnessstudio ohne Geräte – das geht nicht. Aber man sollte dem Kunden zeigen, dass es letztendlich darum geht, einer Bank zu erklären, warum sie in dieses Vorhaben investieren sollte. Und die Höhe wird ausschlaggebend dafür sein, ob die Bank daran glaubt, dass man mit diesen Mitteln die im Businessplan formulierten Ziele auch umsetzen kann. Also speziell vom Ende her denken: Bringt mich die Beratung wirklich weiter bei meinem Ziel, am Ende die Bank zu überzeugen? Darum geht es ja. Es geht nicht darum, einen schönen Businessplan oder ein tolles Finanzierungskonzept zu haben, das dann einfach nicht realistisch ist, um es bei einer Bank zu präsentieren. Dann hilft das auch nichts.
René: Was würdest du aber Leuten trotzdem raten? Es ist ja ähnlich wie beim Arztbesuch – man hat da erst mal großen Respekt. Und genauso stelle ich mir das bei meiner Gründung vor: Ich mache das zum ersten Mal, gehe zu einem Berater, brauche Hilfe, habe entsprechenden Respekt. Wie kann ich dem denn dann widersprechen? Wie tappe ich da nicht in diese Falle?
Markus: Der Berater will schon wissen, was er tut und sagt. Na gut, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, sagt man ja auch. Ich würde immer versuchen, einigermaßen auf Augenhöhe zu sprechen – also nicht untergeben, devot und blind glaubend, aber natürlich auch nicht über dem Berater stehend und behaupten „ich habe da aber was gelesen“. Sondern einfach konkret nachfragen, wenn man etwas nicht versteht oder wissen möchte, warum das so sein sollte. Warum sollte man weniger finanzieren? Wenn der Berater antwortet: „Das ist besser, die Banken geben lieber weniger“ – das ist eine völlig dumme Aussage, die sollte man begründen können. Das ist ja die Aufgabe in einem Gespräch, Frage und Antwort. Man muss Fragen stellen, und anhand der Antworten kann man erkennen, ob sich der Berater wirklich individuell mit diesem Vorhaben und dieser Person beschäftigt oder ob er vielleicht sogar gelangweilt ist und hofft, dass einer der vielen Kunden schon zuschlägt – wenn nicht, kommt der Nächste. Also auf Augenhöhe. Ich würde ja auch einem Rechtsanwalt nicht sofort widersprechen, wenn er eine Strategie für ein Gerichtsverfahren hat, sondern nachfragen. Ich kann es ja gar nicht besser wissen – ein Mensch, der sich noch nie selbstständig gemacht hat, hat nicht die Erfahrung, die ein Berater hat. Ein Fußballspieler ist ja auch automatisch kein Trainer, dem sagt man ja auch nicht, wie das Training zu funktionieren hat. Aber Fragen kostet nichts.
René: Genau, das durchaus auch als ersten Schritt zu sehen, weil so eine Situation wird es ja häufiger geben, oder? Mit zukünftigen Geschäftspartnern, wo ich vielleicht erst mal Respekt habe, mich nicht traue, Kritisches nachzufragen oder in den Konflikt zu gehen.
Markus: Und das ist die erste Situation, die man als Gründer, Gründerin meistern muss – man muss sich seinen Geschäftspartner aktiv aussuchen und eine gute Wahl treffen. Insofern ist das wirklich als erste Aufgabe zu sehen, denn das wird in Zukunft noch häufiger passieren – bei der Einstellung von Mitarbeitern, bei Kunden, bei Dienstleistern. Also insofern schon mal üben, auch wenn es am Anfang unangenehm ist.
Referenzen und Empfehlungen richtig einordnen
René: Eine Hilfe bei der Auswahl können ja Erfahrungen und Referenzen sein. Wie würdest du da vorgehen?
Markus: Die Kundin sollte natürlich nicht plump fragen: Haben Sie denn Referenzen oder Erfolge vorzuweisen, Erfahrungswerte? Davon sollte man ja ausgehen, sonst gäbe es eigentlich keinen Grund, diesen Berater überhaupt zu kontaktieren, wenn man gar nichts über ihn weiß. Aber klar, vielleicht hat er sich rar gemacht und seine Website ist nicht besonders aussagekräftig – das darf man sicherlich in einem Erstgespräch fragen, aber bitte untergeordnet. Jeder gute Berater sollte über seine Kommunikationskanäle zeigen, was er so macht. Referenzen: klar, man gibt ja nur die an, von denen man weiß, dass sie wirklich sehr gut sind oder eine positive Referenz geben würden – und wer weiß, heute spricht jemand noch gut über den Berater, und in einem Jahr, wenn es ihm selbst schlecht geht, würde er es vielleicht anders einschätzen. Also nur weil man viele Referenzen vorweisen kann, ist das nicht ausschlaggebend, diesen Berater beauftragen zu müssen – es rundet natürlich ein Bild ab. Ich mache das zum Beispiel so: Wenn ich ein Angebot per E-Mail schicke, schreibe ich immer einige Referenzen mit rein, einige stehen auch auf meiner Website, und jeder Kunde bekommt Referenzen, es steht ihm frei, dort auch mal eine E-Mail hinzuschicken. Ich würde nicht kalt bei jemandem anrufen, das finde ich schon fast dreist – „erkennen Sie den, was ist Ihre Meinung“ – da ruft jemand an, den der Unternehmer gar nicht kennt. Aber eine nette, freundliche E-Mail sollte drin sein, kostet zehn Minuten. Aber die Aussage kann auch mal zufällig nicht gut sein, deswegen sollte man das vielleicht auf zwei bis drei Referenzen beschränken. Man muss ja am Ende trotzdem selbst eine Entscheidung treffen, und nicht nur, weil drei fremde Menschen über jemanden jubeln.
René: Was hältst du von persönlichen Weiterempfehlungen, „ich habe mit dem Berater gute Erfahrungen gemacht, den kann ich dir empfehlen“?
Markus: Das kann ja auch alles gefaked sein.
Wie wichtig ist Branchenerfahrung?
René: Das Thema Branchenerfahrung, Erfahrung in dem Bereich, in dem ich mich selbstständig machen möchte – für wie wichtig hältst du das?
Markus: Grundlegend erst mal: Wenn es darum geht, ein Vorhaben zu finanzieren, sei es die Gründung oder der Unternehmensaufbau, dann sind die Themen Businessplan, Finanzplan, Bankgespräch und Interaktion mit Geldgebern vorrangig – und nicht, dass der Berater ganz viel Ahnung von dieser Branche hat. Das nützt der Bank wenig, der Gründer muss Ahnung von der Branche haben. Der Berater wird das dann auch merken und kritisch hinterfragen, dazu muss er kein Experte sein. Aber nehmen wir wieder das Beispiel Online-Shop: Das habe ich schon öfter von potenziellen Kunden gehört, dass die gemerkt haben, wenn sie schon eine Beratung hatten, dass der Berater gar keine Ahnung von der Materie hatte – was ich dann auch nicht verstehen kann, warum der Berater das erstens überhaupt macht und zweitens sich nicht die Mühe macht, sich ein bisschen einzulesen, dann weiß er zum Beispiel auch, welche Prozentsätze üblich sind, statt den Kunden naiv danach zu fragen. Aber das ist nicht die eigentliche Aufgabe. Der Berater muss mit dem Futter arbeiten, das vom Kunden kommen muss. Er muss analytisch denken können, hohes Fachwissen haben, Problemlösefähigkeiten oder die Kompetenz dazu – und nicht der „Fachidiot“ sein.
Förderprogramm-Zulassung ist kein Qualitätsnachweis
René: Es gibt ja eine ganze Reihe an Beratungs- und Förderprogrammen, wo auch ein Berater zugelassen sein muss, damit die Förderung beantragt werden kann. Kann man diese Zulassung schon als eine Art Vertrauenssiegel sehen – also wenn mir der Berater sagt, „da kriegen wir eine Förderung vom Bundesland oder von der BAFA“, ist das schon ein Qualitätsnachweis?
Markus: Nein, bloß nicht, das ist überhaupt kein Qualitätsnachweis. Die Hürden, um in diese Programme aufgenommen zu werden – man ist dann dort gelistet, manche schreiben auch „akkreditiert“ oder „zertifiziert“ – sind ziemlich gering, und jeder Berater, der selbstständig ist und schon ein bisschen was gemacht hat, sollte kein Problem haben, dort gelistet zu werden. Daher auch mal wieder als Tipp: Wenn Berater damit werben, „unsere Beratung wird bezuschusst“, ist das ziemlicher Quatsch. Das ist für mich ein Zeichen, dass der Berater nicht gelernt hat, seine Leistung zu verkaufen – er verkauft sein Portfolio unter dem Deckmantel „meine Beratungsleistung wird bezuschusst, also müsst ihr zuschlagen, liebe Kunden“. Das ist ziemlich wenig, ich glaube, diese Berater bräuchten selbst mal eine gute Beratung. Da ist weniger mehr, von mir aus könnte man diese Programme fast einstampfen. Nein, es ist natürlich sinnvoll, ich gönne jedem meiner Kunden auch einen Zuschuss und werde den auch beantragen. Aber nur weil es einen Zuschuss gibt, heißt das noch lange nicht: Super, jetzt habe ich eine ganz geile Beratung, spitzenmäßig, der Staat unterstützt sogar die Beratung. Es ist nicht hinreichend, dass die Beratung dadurch gut wird, weil es einen Zuschuss gibt. Und im Umkehrschluss bedeutet es auch nicht, dass eine Beratung ohne Zuschuss schlechter ist. Also wichtiger Hinweis: Diese Beratungsprogramme prüfen gewisse Grundvoraussetzungen, aber eben nicht die tatsächliche Beratungsqualität oder die Historie des Beraters – die Zulassung sollte also, auch wenn der Berater das gerne so verkauft, nicht als Qualitätsnachweis gewertet werden.
René: Ich würde eher sagen, man sollte sich anschauen – nicht wo der Berater gelistet ist, sondern zum Beispiel, ob ein BWL-Studium vorliegt.
Markus: Ich muss nicht erklären, was ein betriebswirtschaftliches Studium bedeutet. Aber ich muss ehrlich sagen, in meinem Bereich, der Finanzierungsplanung, sollte man schon ein bisschen Ahnung von der Materie haben – ich halte das eigentlich für zwingend als Voraussetzung, und ich kann manche Berater ohne diesen Hintergrund gar nicht ernst nehmen. Oder eben vergleichbare Bildungswege beziehungsweise Erfahrungen auf diesem Gebiet, die man sich über mehrere Jahre angeeignet hat – das kann ein fehlendes Studium sicherlich nicht ausgleichen, aber trotzdem sollte man ein bisschen Ahnung von der Materie haben. Komplexe Probleme lösen, eine breite Perspektive auf die Aspekte eines Unternehmens entwickeln, um effektive Lösungen zu finden – das ist doch auch Sinn eines BWL-Studiums, und das würde ich als viel wichtiger betrachten, als dass ein Berater bei der BAFA irgendwie gelistet ist.
Der Vertrag: Worauf sollte man achten?
René: Wenn man ein gutes Gefühl hat, kommt ja irgendwann auch das Vertragliche – man bekommt ein Angebot und wahrscheinlich einen Vertragsvorschlag vom Berater. Und wie so häufig bei Verträgen: Achtung beim Kleingedruckten. Worauf würdest du achten, worauf würdest du hinweisen? Was sind Warnsignale bei Verträgen, bei denen man lieber noch mal nachfragen oder Abstand nehmen sollte?
Wer ist der eigentliche Vertragspartner?
Markus: Ja, man sollte natürlich hellhörig werden, wenn der Vertragspartner gar nicht der Berater ist, mit dem man telefoniert oder lange gesprochen, vielleicht auch mehrere E-Mail-Dialoge geführt hat – also derjenige quasi nur der „Verkäufer“ war. Man muss doch wissen, wer einen nachher berät, das ist eine zwingende Voraussetzung. Und wenn es dann eine Gesellschaft ist, die man gar nicht kennt, oder ein Mensch, den man überhaupt nicht kennt, ist das unseriös. Man hat Vertrauen zu einem Menschen gefunden, und jetzt soll jemand anders das übernehmen – das kommt gar nicht so selten vor. Da sollte man eigentlich sofort das Gespräch beenden.
Zahlungsziele und Vorkasse
Markus: Ganz wichtig sind natürlich auch die Zahlungsziele. Man hat ein Angebot über eine bestimmte Summe bekommen, war damit vielleicht einverstanden – und dann steht im Kleingedruckten, zu welchen Zeitpunkten was gezahlt werden soll. Üblich ist in der Branche, dass man das in Teilbeträgen macht, abhängig vom Beratungsvolumen beziehungsweise eher von der Dauer. Bei einer Gründung braucht man einen längeren Zeitraum, weil auf beiden Seiten mehr nachgedacht werden muss – da bieten sich vielleicht drei Raten an. Bei einer Wachstumsfinanzierung, wo man möglichst schnell zur Bank will, mache ich zum Beispiel zwei Raten: den Betrag geteilt, eine zu Beginn, eine nach einem Monat. Oder ein Drittel zu Beginn, ein Drittel nach einem Monat, ein Drittel nach einem weiteren Monat. Und wenn da plötzlich „100 Prozent Vorkasse“ steht, denke ich mir: Das kann ich mir doch nur leisten, wenn ich ein Monopolist bin, der die besten Brötchen der Stadt verkauft und jemand tausend Stück auf einmal bestellt. Das kann sich niemand leisten, das ist absoluter Quatsch, absolut unseriös. Interessant ist aber, dass es Verkaufstaktiken gibt, wie man das begründet – ich habe das kürzlich selbst erlebt, im umgekehrten Fall, als ich selbst einen Dienstleister beauftragt habe, der auch 100 Prozent Vorkasse wollte. Er hat es geschickt begründet: Ratenzahlung mache er normalerweise nur, wenn jemand in Liquiditätsschwierigkeiten sei. Wäre das eine fremde Person gewesen, wäre das Gespräch für mich beendet gewesen – ich kannte ihn aber relativ gut und hatte großes Vertrauen zu ihm, er hat den Auftrag dann auch bekommen. Aber wer so argumentiert, muss ja irgendwie Dreck am Stecken haben – vielleicht hat er schon viele Scherereien gehabt und möchte die Spreu vom Weizen trennen. Es wird sicherlich Menschen geben, die bewusst so bezahlen, dass sie im Zweifel Raten zurückbehalten können, wenn etwas nicht läuft. Aber ich meine, so kann man doch nicht anfangen, wenn man niemandem Vertrauen schenkt. Ich muss geben und bekommen, und ein gleichmäßig verteiltes Honorar über einen Zeitraum ist der richtige Weg. Es gibt hier auch keine Meilensteine, weil das kein reiner Werkvertrag ist – wir bauen ja keine Häuser, wir nehmen uns Zeit, es geht eher um den Wert, den man liefert. Da kann man nicht sagen, zu Zeitpunkt X oder wenn irgendetwas erreicht wurde, wird ein Betrag fällig – wie will man das messen? Am einfachsten sind klare Zahlungsziele, das halte ich für ganz wichtig, das sind eigentlich die wichtigsten Parameter in einem Vertrag. Und natürlich konkret: Was soll eigentlich gemacht werden, und was nicht?
Begleitung zum Bankgespräch vertraglich festhalten
Markus: An der Stelle noch ein ganz wichtiger Tipp – das lässt sich auch schon gut im Erstgespräch abklären: einfach fragen, kommen Sie denn mit zur Bank, kennen Sie überhaupt die Berater bei der Bank, welche Bankkontakte haben Sie eigentlich, um mich bei der Finanzierung wirklich unterstützen zu können? Und klar, gerade wenn es ans Vertragliche geht, sollte das dann auch mit definiert sein.
René: Ist auch ganz wichtig, weil, wie du sagst, wenn ich dann den Businessplan nehme und losgehe, ist noch lange nichts gewonnen. Und wie du gerade noch gesagt hast, beim Vertraglichen gerade beim Thema Vorkasse aufpassen – das sollte gut verteilt sein, und auf gar keinen Fall große Summen vorab.
Sollte man den Vertrag juristisch prüfen lassen?
René: Hast du noch was zum Vertrag?
Markus: Ja, generell wäre natürlich die Frage zu klären, ob man den Vertrag juristisch prüfen lassen sollte. Das hängt vom Vertragsinhalt ab – ist das eine komplexe Angelegenheit, geht es um sehr hohe Summen, weil das Vorhaben sehr komplex ist, gibt es vielleicht erfolgsbezogene Leistungen und man ist sich sehr unsicher? Das hängt eben vom Beratungsvolumen ab. Ich will es nicht pauschalisieren, dass man das einem Anwalt geben sollte, weil hier sehr viel über Vertrauen laufen muss und nicht über juristische Feinheiten. Bei einem Gewerbemietvertrag, den ich fünf bis zehn Jahre erfüllen muss, geht es um ganz andere Summen, den sollte man natürlich juristisch prüfen lassen. Deshalb: Vertrag durchlesen, da wird auch juristisch einiges drinstehen, was man nicht auf Anhieb versteht, wie es so üblich ist. Aber dann sollte man zuerst den Berater fragen – warum sollte man gleich eine dritte Person, einen Rechtsanwalt, konsultieren? Erst den Berater fragen, wenn man es dann immer noch nicht verstanden hat oder unsicher ist, sollte man den Beratungsvertrag prüfen lassen. Das wäre noch ein Hinweis, aber keine zwingende Notwendigkeit.
Guter versus schlechter Beratungsprozess
René: Sehr gut. Dann das Thema der Beratung an sich – darüber wird sicherlich auch schon im Vorfeld gesprochen. Wie ist aus deiner Sicht ein guter Beratungsprozess gestaltet, und wie sieht ein schlechter aus?
Markus: Das ist eine ganz komplexe Frage, dazu könnte man viel erzählen, ich mache es aber kurz. Schlecht ist, wenn gar nicht beraten wird. Schlecht ist, wenn erstellt wird. Erstellung heißt Copy-Paste – man hat ein Grundgerüst eines Businessplans in einer Art Zweit- oder Drittverwertung, ändert den Namen, kopiert etwas rein, macht ein paar Gänseblümchen drumherum, damit es schön aussieht, und sagt dann: Hier, lieber Gründer, hier hast du was von mir. In diesem Glauben, „ich kaufe mir den Erfolg“ – dazu gehören ja immer zwei, und das ist leider stark verbreitet. Erstellung: ganz schlecht. Beratung ist für mich, und das ist mein Prozess: Der Gründer, die Gründerin schreibt dieses Konzept unter meiner Anleitung. Denn was die Gründerin oder der Gründer vorhat, davon weiß ich vielleicht gerade mal ein, zwei, drei Prozent – wie kann ich das herauslocken? Ich kann natürlich zwanzig Interviews führen, das ist aber weder zielführend noch bezahlbar. Stattdessen chronologisch, in einer Art Iterationsphase: Der Auftraggeber bekommt Fragen, Arbeitsaufgaben, die er beantworten muss. Die analysiert dann der Berater immer unter dem Aspekt: Ist das stimmig, ist das plausibel? „Plausibilität“ ist wohl eines meiner häufigst genannten Wörter, sowohl im Businessplan als auch im Finanzplan. Wenn der Berater das dann nur „abnickt“ – „ah ja, super geschrieben“ – ist das ebenfalls keine echte Beratung. Es geht nicht nur um Informationen liefern, Information ist Copy-Paste. Es geht darum, diesen Menschen ins beste Licht zu rücken – wer ist die Gründerin oder der Gründer, was hat sie oder er vor, warum sollte man Erfolg haben, warum sollte man Kunden und Geschäftspartner gewinnen, welche Unterschiede bestehen zu Mitbewerbern? Alle Fragen, die mit „W“ beginnen, sind nach oben hin offen und müssen so abgearbeitet werden, dass ein Leser später anhand dessen erkennt: Ich verstehe das Vorhaben und kann eine Prüfung vornehmen. Wenn ich aber nichts prüfen kann, kann ich auch kein Geld herausgeben, weil einfach Informationen fehlen – und es ist nicht die Aufgabe der Bank, zu spekulieren, ob es klappen könnte oder nicht.
Praxisbeispiel: Zwölf Seiten für 300.000 Euro
Markus: Ich habe zum Beispiel gerade gestern einen Businessplan bekommen, ganz aktuell. Die beiden Gründer – es ist egal, was sie machen – brauchen 300.000 Euro und sind abgeblitzt. Witzigerweise sind sie über den Podcast dann zu mir gekommen, so soll das sein. Sie sind nicht weitergekommen. Das geschriebene Werk, also was die eingereicht hatten, waren zwölf Seiten. Ich musste das gar nicht erst lesen, um zu erkennen: Mit zwölf Seiten gewinnt man keinen Blumentopf, kann man keine 300.000 Euro bekommen, ganz egal worum es geht. Man muss keinen Roman schreiben, keine wissenschaftliche Hausarbeit, aber inhaltlich war das für mich bestenfalls eine Kurzzusammenfassung. Die Mitbewerber wurden jeweils in ein, zwei Sätzen abgehandelt, und das war’s. Warum sollte man da Erfolg haben? Die haben sicherlich das notwendige Wissen, konnten es aber nicht zeigen. Damit kann man kein Geld gewinnen – man muss sich schon Mühe geben, um belohnt zu werden.
Warum der Berater zum Bankgespräch mitkommen sollte
René: Wir haben ein Thema schon gestreift, das sich im Prinzip als Abschluss noch mal anschließt, nämlich das Thema Bank: Dass ich mit den Unterlagen zur Bank gehe beziehungsweise der Berater mich dort begleitet – oder dass ich mich selbst auf die Suche begeben soll und der Berater mir nur viel Erfolg dabei wünscht.
Markus: Wenn das so gemacht wurde, ist es natürlich keine gute Beratung, weil das, was da erstellt wurde, dann für die Katz ist – das kann man in den Papierkorb schmeißen, der eigentliche Prozess fängt doch jetzt erst an. Das wäre so, als würde ein Rechtsanwalt sagen: Lieber Mandant, nächste Woche hast du einen Gerichtstermin, hier hast du noch ein Schriftstück von mir, gehst du mal zu Gericht, zieh dich schick an, das war’s. Katastrophe, oder? Das gibt es leider häufig, ich verstehe gar nicht, warum Berater so etwas machen. Aber wie gesagt, man kauft nicht den Erfolg, man kauft nicht einfach Unterlagen und gibt die dann euphorisch ab. Das Gegenteil kommt dabei raus: die Enttäuschung. Wichtig zu sehen ist, wer da mitgewirkt hat und warum. Banker bekommen so viele Unterlagen, ich könnte hunderte Geschichten erzählen, was mir Banker berichtet haben, was sie da alles eingereicht bekommen. Ich ärgere mich immer über die vielen Gründerinnen und Gründer, die vielleicht deswegen kein Geld bekommen haben und ihr Vorhaben dann sein lassen. Das finde ich so schäbig von diesen Beratern, die nur Teilleistungen erbringen, obwohl sie eigentlich wissen: Das müsste eigentlich jemand anders zu Ende bringen. Man tut diesen Menschen keinen Gefallen. Es gehören natürlich immer zwei dazu, Auftraggeber und Auftragnehmer – und wenn der Auftraggeber glaubt, für 2.000 Euro Schnäppchenpreis bekomme ich super Unterlagen und gewinne damit, weil der Berater das so schön verkauft hat, dann beißt sich das. Man kann nicht für wenig Geld ganz viel bekommen, das ist ein Widerspruch. Auch die Frage, wie viel Know-how und Kontakte zu Banken in der Region vorhanden sind, spielt eine Rolle – wir hatten das schon beim Thema Bankgespräch: Es gibt nicht so viele Banken, die für eine Gründungsfinanzierung überhaupt infrage kommen, sodass ich als Gründer nicht einfach selbst so lange Erfahrungen sammeln kann, bis es bei der siebten oder achten Bank klappt. Das dauert erstens unglaublich lange, und so viele passende Banken gibt es schlicht nicht. Insofern ist es ein ganz wichtiges Kapital, dass der Berater über Netzwerke und Kontakte verfügt, sich nicht scheut, mit zur Bank zu gehen, und die Verantwortung übernimmt, neben dem Gründer, der Gründerin zu sitzen.
Zusammenfassung: Die Masterfragen an den Berater
René: Markus, dann lass uns vielleicht zum Schluss noch mal zusammenfassen: Welche Fragen sollten Gründerinnen und Gründer ihren Beratern stellen, beziehungsweise zu welchen Punkten sollten sie im Gespräch Antworten sammeln, um dann eine gute Entscheidung treffen zu können – dieser Berater oder vielleicht doch ein anderer?
Markus: Ja, fassen wir das noch mal zusammen, was man in einem Erstgespräch besprochen haben sollte, sei es weil es von Beraterseite von sich aus kam oder weil man es konkret nachgefragt hat. Erstens: Führt der Berater die Beratung auch vollständig selbst durch? Bei einem Einzelunternehmer darf man das annehmen, bei einer größer strukturierten Gesellschaft sollte man das auf jeden Fall gefragt haben. Zweitens: Gibt es einen gewissen Netzwerkcharakter, um weitere Hilfestellung geben zu können? Das ist nicht ganz unwichtig, ein Berater verfügt über Ressourcen und Netzwerke, die nicht zu unterschätzen sind – das sollte eigentlich von Beraterseite von sich aus kommen, als Verkaufsargument, dass er eben nicht der „Nerd“ im Kämmerchen ist, sondern auch weitere Empfehlungen geben kann. Drittens: Der Berater soll nicht nur abnicken, sondern auch kritisch etwas dazu sagen. Ganz banal: Wie finden Sie mein Vorhaben überhaupt, gefällt Ihnen das, würden Sie das kaufen oder mich beauftragen, haben Sie auch negative Eindrücke? Immer aus Sicht eines Geldgebers gesprochen, so agiere ich auch, wenn ich Fragen stelle – meine persönliche Meinung ist dabei fünftrangig. Viertens: Wer schreibt eigentlich den Businessplan? Das muss gefragt werden, das darf nicht offen bleiben – der Berater hat den Businessplan nicht selbst zu schreiben, das können wir vergessen, einfach nicht machen, sondern sich einen Berater suchen, der auch berät und nicht erstellt. Fünftens: Referenzen sollten indirekt erfragt werden, beziehungsweise sollte im Gespräch schon deutlich geworden sein, dass der Berater einiges gemacht hat; er kündigt auch von sich aus an, in einem Angebot Referenzen zu geben, wenn der Kunde es wünscht. Sechstens: Wie lange macht der Berater das schon? Nur weil jemand ein gewisses Lebensalter erreicht hat, weiß man ja nicht, wie lange er schon in diesem konkreten Prozess drin ist – es nützt auch nichts, wenn jemand vorher als Angestellter Unternehmensberater in einem völlig anderen Bereich war und sich erst letztes Jahr in diesem Feld selbstständig gemacht hat. Wir brauchen keine Hilfe, wir brauchen Kompetenz, und Kompetenz kann man nur haben, wenn man auch Erfahrung hat – es geht hier um die Existenzgrundlage des zukünftigen Lebens. Siebtens: Branchenkenntnisse, das hatten wir vorhin schon angerissen, sollte man konkret ansprechen, auch wenn man es nicht juristisch bestätigt bekommt. Achtens: Wie unterscheiden Sie sich, haben Sie andere Beratungsansätze? Es gibt nicht die eine Norm in diesem Bereich, das passt auch zum Thema Erstellen versus Beraten. Und ganz wichtig, neuntens: Kommen Sie auch mit zum Bankgespräch, ist das eine Ihrer Leistungen? Wenn nicht, dann bitte das Fenster schließen, wenn das per E-Mail lief, oder sich für die Zeit bedanken, wenn man telefoniert hat – da braucht man nicht weiter zu sprechen. Eine Beratung ohne diese Begleitung ist null und nichtig, das ist dann rausgeschmissenes Geld, weil doch erst dann das eigentlich Wichtige beginnt: der Kampf, die Unterlagen bei der Bank einzureichen, die Kommunikation. Da kann man viel richtig, aber auch sehr viel falsch machen, und da braucht man jemanden, der in diesem Bereich Ahnung hat. Da nützt es nichts, den schönsten Businessplan mit tausend Gänseblümchen auf dem Deckblatt zu haben, das ist fünftrangig – wir brauchen die Kommunikationswege zu den Geldgebern, Know-how und einen starken Partner an unserer Seite.
Die drei Masterfragen im Kern
Markus: Und die drei Klassiker-Fragen, sage ich mal, die Masterfragen, aus denen man eine Menge erkennen kann, ob ein Berater für das eigene Vorhaben geeignet ist – wenn es nicht schon von Beraterseite angesprochen wurde, einfach fragen: Erstens, ist die geplante Finanzierungshöhe realistisch – „lieber Berater, halten Sie das auch für finanzierbar, ich will 250.000 Euro“? Wenn dann nur kommt „na klar, wir haben Kredite bis 50 Millionen“, kann man den Berater vergessen, wenn da keine echte Einschätzung kommt. Zweitens: Ist der Zeitpunkt jetzt auch richtig, lieber Berater, oder bin ich vielleicht zu früh dran, sollte ich noch warten? Wenn auch hier keine Einschätzung kommt, ist das der wichtigste Punkt, an dem etwas fehlt. Ich würde sagen, ich sage etwa der Hälfte der potenziellen Kandidaten, die mich anrufen, dass sie noch mehr Erfahrung sammeln müssen – gerade bei Dienstleistungen, die man nicht anfassen kann, also kein reiner Handel, sondern erklärungsbedürftige Produkte oder Dienstleistungen, brauchen wir Beweise für das Herangehen. Sonst wäre das ein Risikovorhaben, bei dem eine Bank sagt: Interessant, spannend, kennen wir noch nicht, können wir gar nicht einschätzen. Je mehr Beweise ich habe, dass meine Geschäftsidee im Kleinen funktioniert, desto eher kann ich Geld bekommen. Drittens: Wie sind denn die Aussichten oder Chancen, überhaupt Geld von der Bank zu bekommen? Es geht ja nicht wie beim Roulette darum, eine Wahrscheinlichkeit auf schwarz oder weiß zu berechnen, sondern darum, dass das Gesamtpaket stimmen muss – bringt man die fachliche Eignung mit, und wenn man die Hausaufgaben richtig macht und den richtigen Kapitalbedarf bestimmt, dann bekommt man auch Geld von einer Bank. Das Ziel einer Bank ist ja nicht, möglichst wenig Geld in den Markt zu geben, das ist ihr Kerngeschäft. Aber der Berater sollte nicht plump antworten „super, das klappt definitiv, und wenn nicht, schenke ich Ihnen eine Kiste Champagner“ – man sollte eine realistische Einschätzung bekommen.
Warum billige Beratung meist teuer wird
René: Ich glaube, das ist auch nochmal so ein Thema: Natürlich kostet das Geld, und gerade am Anfang als Gründer, Gründerin habe ich wenig Geld, muss aber trotzdem investieren, weil es um den Aufbau meines Unternehmens geht. Wenn es dann um den Kredit geht, sind es vielleicht am Ende in der Beratung nicht die 150.000, sondern eher 100.000 oder 80.000 – aber auch das muss ich ins Verhältnis setzen. Wenn ich dann 2.000 Euro als günstigen Preis genannt bekomme, ein anderer Berater aber 4.000 oder 6.000 Euro, dann sollte ich mir überlegen, wie viel das eigentlich im Verhältnis zur Finanzierungssumme ist – und dann entscheiden, ob mir das den Aufpreis wert ist.
Markus: Ja, sonst widerspricht das dem ökonomischen Prinzip: Wenn ich den Output – die Kreditzusage – festlege und versuche, den mit minimalem Einsatz zu erreichen, geht das in die Hose. Warum sollte das überhaupt das Ziel sein? Man kann pauschal sagen: Im Zweifel ist die günstige Beratung einfach schlecht. Ein Berater, der sich für wenig Geld anbietet, denkt vermutlich, er kann darüber trotzdem Geschäfte machen – ich weiß gar nicht, wie das wirtschaftlich funktionieren soll. Man kann für 2.000 oder 3.000 Euro keine komplexe Beratung bekommen: gemeinsame Erstellung von Business- und Finanzplan, Vorbereitung, Begleitung, Bankgespräche, und die vielen Rückfragen, die danach noch kommen – das können sich viele gar nicht erst vorstellen. Erst kommen Rückfragen der Bank, dann geht es weiter zur Förderbank, die hat auch Rückfragen. Gerade heute hat mich zum Beispiel die Bürgschaftsbank angerufen, weil sie noch kleine Änderungswünsche hatten – mache ich natürlich gerne, sie haben sich sofort gemeldet, super. Das geht nicht für kleines Geld. Das soll nicht heißen, dass eine teurere Beratung automatisch besser ist – wenn man verschiedene Angebote hat und eines deutlich mehr kostet, sollte man sich das Profil des Beraters ansehen und überlegen, was man dadurch gewinnt. Es wäre ziemlich dumm, einfach den Günstigeren zu nehmen, nur weil er günstiger ist – man bekommt niemals dieselbe Leistung. Das funktioniert nicht wie eine Preissuchmaschine, bei der man ein Schnäppchen findet, sondern man muss die eigene Existenz sichern, ein Fundament errichten – das kostet Geld. Man muss das ins Verhältnis setzen, aber nicht nur zur gewünschten Kreditsumme, sondern eher: Was ist es mir wert, mich selbstständig zu machen, mein Unternehmen aufzubauen? Da gibt es keine feste Obergrenze. Was habe ich davon, wenn ich am Ende sage „keine Bank hat mir Geld gegeben, aber immerhin habe ich nur wenig Geld verloren“? Ich weiß nicht, ob man so fürs Leben gehen möchte – sich zu freuen, dass man „nur“ die 2.000 Euro in den Sand gesetzt hat, ist eigentlich schade, weil man da einen katastrophalen Fehler gemacht hat. Daher: Augen auf bei der Auswahl, gerade bei der Höhe des Honorars – im Zweifel ist mehr besser, und es ist oft die erste wichtige unternehmerische Entscheidung, die man trifft: mit einem Dienstleister zusammenzuarbeiten. Es geht nicht darum, möglichst schnell und günstig etwas zu bekommen, sondern man möchte sich in dieser Beratung auch weiterentwickeln – das sollte man auch als Ergebnis dieser Beratung sehen. Wenn man das Gefühl hat, da sitzt jemand gegenüber, der auf einen eingeht, Feedback gibt, Fragen stellt und bei dem Vorhaben wirklich hilft, dann kann man mit gutem Gewissen die Wahl treffen und in die Beratung gehen.
Rückmeldungen aus der Praxis
René: Markus, was sind so Rückmeldungen von deinen Kundinnen und Kunden am Ende? Was melden die dir zurück?
Markus: Gerade letzte Woche war ich in Brandenburg an der Havel, das erste Gespräch mit einer Bank, die sehr beeindruckt war – ich glaube, das ist noch mal ein gutes Beispiel. Der Banker meinte nämlich, normalerweise hätten sie den Kunden nicht eingeladen, weil sie von seiner Branche überhaupt keine Ahnung und keine Erfahrungswerte hätten und das gar nicht bewerten könnten. Anhand der Unterlagen, die sie aber bekommen hatten, wollten sie ihn trotzdem einladen. Das ist schon ein schönes Zeichen, da braucht man gar nicht mehr zu erklären, ob die Beratung gut war oder ob es Sinn gemacht hat, einen Berater zu engagieren – das ist damit schon beantwortet. Es ist ja kein Garant, dass man überhaupt einen Banktermin bekommt. Und hier sieht man: Der Betreffende wollte das größte Fitnessstudio in Brandenburg an der Havel aufmachen, kann ich ruhig so wiedergeben – und klar, wenn eine Bank da keine Erfahrungswerte hat und es um sehr viel Geld geht, insgesamt über eine Million Euro investiert wird, auch wenn es Zuschüsse vom Vermieter gibt, dann ist das nichts, was man nebenbei macht. Und wenn eine Bank keinen Erfahrungswert hat, kommt es eben auch vor, dass es gar keinen Termin gibt. Die Güte der Unterlagen war hier die Eintrittskarte für den Banktermin. Und wir haben danach noch einen Kaffee getrunken, und er meinte selbst schon: Das hätte ich nie geschafft. Das war ihm dann auch klar, auch wenn das vorher nicht so auf der Hand lag. Aber ohne Expertenwissen kommt man da nicht hin. Man kommt zwar irgendwie auch mal hin, nur ist die Frage, ob man alles richtig gemacht hat – nur weil man später Geld bekommen hat, kann man nicht sagen, super, ich habe es alleine geschafft. Denn Finanzierungsfehler sind die häufigste Ursache dafür, dass Unternehmen scheitern. Deshalb sollte man sich im Vorfeld viele Gedanken machen, und deswegen muss auch eine Beratung stattgefunden haben. Der Unternehmensgründer kann selbst kaum abschätzen, ob sein Kapitalbedarf tatsächlich ausreicht. Gute Beratung kann unglaublich helfen, schlechte Beratung kann aber unglaublich demotivieren und dazu führen, dass viele gar nicht erst gründen. Das ist nicht gut. Insofern noch mal der Appell: Sprecht mit den Beratern, hinterfragt sie, geht in den Austausch, kommuniziert, stellt Rückfragen, wenn euch etwas unklar ist, und lasst euch nicht entmutigen – auch nicht vom Feedback eines Beraters. Holt euch durchaus auch mal eine Zweit- oder Drittmeinung ein, denn auch Berater wissen nicht alles und machen nicht alles gut.
Verabschiedung
René: Wie gesagt, wir packen Markus‘ Kontaktdaten in die Shownotes. Markus steht euch gerne zur Seite, auch für Rückfragen. Markus, an dieser Stelle vielen Dank an dich. Und ich danke auch allen fürs Zuhören. Wer Fragen hat oder Themenvorschläge für unseren Podcast, kann die gerne an podcast@fuergruender.de schicken – wir nehmen das gerne für die nächsten Folgen auf. Ich freue mich auch über Feedback und Vorschläge, was wir vielleicht besser machen können, auch das gerne per E-Mail. Und wenn euch der Podcast gefällt, bewertet ihn bitte auf der Streaming-Plattform eurer Wahl. Noch mal vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Woche.
Das war Besser gründen, der Podcast von fürgründer.de. Für mehr Infos und weitere Folgen mit spannenden Gästen besuche uns auf fürgründer.de/podcast. Du möchtest keine Folge mehr verpassen? Dann abonniere uns jetzt auf der Streaming-Plattform deiner Wahl. Du möchtest ein bestimmtes Thema in unserem Podcast hören? Dann schicke uns deinen Themenvorschlag. Die E-Mail-Adresse dazu findest du in den Shownotes.



