Häufige Irrtümer bei der Finanzierung über öffentliche Fördermittel – und worauf Sie achten sollten



IRRTUM 1: DIE HAUSBANK MUSS MIR DOCH EINEN KREDIT GEBEN
Ihre Bank ist einer Ihrer Geschäftspartner, genauso wie das Finanzamt und Ihre Kunden. Im Gegensatz zu ihren anderen Geschäftspartnern lebt Ihre Bank davon, an Sie Geld zu verleihen. Die Bank wird das jedoch nur dann tun, wenn Sie daran glaubt, dass dieses Geld von Ihnen auch zurückgezahlt wird. Daher ist es entscheidend, dass Sie als Antragsteller zunächst einmal Vertrauen bei Ihrer Bank aufbauen. Und dann gilt es, dieses Vertrauen während der gesamten Geschäftsverbindung aufrecht zu erhalten.

Die meisten Kredite werden gekündigt, weil die Bank das Vertrauen in ihren Kreditnehmer verloren hat. Denken Sie daran, die Bank wird nur dann Vertrauen haben, wenn sie sicher ist und ausreichende und positive Informationen über Sie als Unternehmer, ja als Dienstleister hat.

IRRTUM 2: DER MENSCH SPIELT FÜR DIE BANK KEINE ROLLE
Im Gegenteil, der Mensch spielt die Hauptrolle! Sie als Unternehmer, als Dienstleister, sind das „Eigenkapital des Unternehmens“. Auch Banken wissen, dass nur die natürliche Person (der Mensch) letztlich derjenige ist, der ihre Kredite bedient und nicht die juristische Person (die Firma). Deshalb schauen sich die Banken den Kreditnehmer auch besonders gut an und sie beurteilen, ob sie daran glauben, dass dieser Gründer oder Jungunternehmer erfolgreich sein wird und nicht zu denjenigen gehört, die nach 5 Jahren ihre Selbstständigkeit aufgeben müssen oder freiwillig beenden. 50 Prozent aller Neugründer sind nach 5 Jahren nicht mehr auf dem Markt vertreten.

IRRTUM 3: FÖRDERMITTEL SIND FÜR ALLE DA
Rein theoretisch kann jeder Unternehmer vor und nach seiner Gründung zinsgünstige Förderkredite bekommen. Allerdings muss die schon erwähnte „Hürde“ Hausbank genommen werden. Das Wort „Kredit“ kommt aus dem Lateinischen „credere“ und kann mit Glauben/Vertrauen schenken übersetzt werden. Aber: Wie erwecken Sie in einem Banker Vertrauen?

Etwa, in dem Sie sich Vorlagen für Businesspläne von zwielichtigen Portalen downloaden, in denen Sie lediglich ein paar Fragen beantworten müssen und schwuppdiwupp, steht das Konzept in ein paar Minuten wie eine Fertig-Tütensuppe von Maggi?

Solche dilettantischen Vorlagen sind von inhaltslosen Worthülsen durchzogen, die anscheinend ein Germanist nach dem Verzehr von drei Flaschen Rotwein fabriziert hat. Hier ein paar Beispiele:

„Ich bin mir durchaus bewusst, dass das Thema Selbstständigkeit mit Risiken verbunden ist.“

oder

„Dem Marketing messen wir als Unternehmer in Zukunft eine besondere Rolle bei. Ein gut durchdachtes Marketing wird unser Angebot bekannt machen und Kunden von uns und unseren Leistungen überzeugen.“

Wer glaubt, damit lasse sich Vertrauen bei einem Geldgeber aufbauen, der täuscht sich gewaltig.

Einen Geldgeber überzeugen Sie mit Angaben über:

  • Unternehmensbeschreibung, allgemeine Angaben zum Vorhaben, ca. 15 – 30 Seiten
  • Innovation und Strategie: Was ist Ihr KKV (komparativer Konkurrenzvorteil) oder neudeutsch: USP (unique selling proposition)?
  • Kundennutzen (Zielgruppe, Markt)
  • Branchenerfahrung (fachliche Kompetenz)
  • Standort (Mietpreise, Kundennähe, Infrastruktur, Konkurrenzsituation)
  • Rechtsform
  • Mittel- und langfristige Zielvorstellungen
  • Unternehmerpersönlichkeit (rhetorische Fähigkeiten, Verhandlungsgeschick,
  • Stärken und Schwächen, Risikobereitschaft, betriebswirtschaftliche Kenntnisse)
  • Lebenslauf
  • (Gesellschaftervertrag)
  • Finanzplan (Übersicht über Eigen- und Fremdkapital)
  • Investitionsplanung (Gesamtkapitalbedarf der Gründung, einschließlich Betriebsmittel)
  • Afa-Planung (Absetzungen für Abnutzungen)
  • Kapitaldienst (Entwicklung der Zinsen und Tilgungen)
  • Sicherheiten (private und betriebliche Sicherheiten)
  • Übersicht der privaten Kosten zur Lebensführung
  • Ermittlung des Mindestumsatz (Break-Even)
  • Rentabilitätsvorschau (3 Jahre)
  • Liquiditätsvorschau (3 Jahre)

Niemand kann und wird Sie zwingen, einen fundierten Businessplan samt Finanzplan zu erstellen. Ihre Chancen, einen zinsgünstigen Kredit zu bekommen werden aber deutlich sinken, wenn Sie es mit weniger versuchen.

IRRTUM 4: DER BANKER IST FIRMENKUNDENBETREUER
Der Banker ist ein Verkäufer und kein Betreuer Ihres Unternehmens. Haben Sie schon einmal ein Gespräch mit einem Banker geführt, in dem nicht das Thema Lebensversicherung, Sparbriefe, Investmentfonds, Bausparvertrag usw. angesprochen wurde? Das Ziel dieser Gespräche ist der Abschluss eines Vertrages. Und dann bekommt dieser Verkäufer – nein, es muss heißen Firmenkundenbetreuer – seine (verdiente) Provision, die er ganz oder teilweise altruistisch an seinem Arbeitgeber abführt. Schließlich ist er ja auch derjenige, der dem angestellten Banker Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub mit Anspruch auf Frühbucherrabatt ermöglicht.

Denken Sie immer daran, dass der Banker nicht Ihre unternehmerischen Aktivitäten betreut, sondern nur auf ihr Geld bzw. auf die planmäßigen Rückzahlungen Ihrer Verbindlichkeiten aufpasst. Der Banker ist per se gar nicht in der Lage zu überprüfen, ob Sie ein guter oder schlechter Entrepreneur sind. Er will nur eines wissen: Kann dieser Unternehmer jederzeit seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen?

FAZIT: WORAUF SIE BEI DER FINANZIERUNG ÜBER ÖFFENTLICHE FÖRDERMITTEL ACHTEN SOLLTEN
In dubio pro reo
Nun muss man die Banker aber auch verstehen. Jeder Angestellter einer Bank wäre ein schlechter, wenn er nicht die eigenen Kredite verkauft, sondern die staatlichen zinsgünstigen Kredite, z. B. das StartGeld der KfW-Mittelstandsbank, bei denen die Hausbanken wenig verdienen. Eine Bank ist ein Unternehmen wie jedes andere, dessen Produkt das Geld-Verleihen ist. Warum sollte ein Unternehmen freiwillig schlechte Geschäfte machen? Würden Sie das tun?

Über den Autor


Markus Hübner berät seit 2001 Existenzgründer und Jungunternehmer bei der Unternehmensgründung, Unternehmensfinanzierung und dem Unternehmensaufbau. Er ist Experte für die Finanzierung über öffentliche Fördermittel (z. B. KfW StartGeld – ERP Gründerkredit).

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